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Carbon Peeling: Was steckt hinter dem «Hollywood Peeling» — und worauf kommt es beim Gerät an?
Fachartikel · ca. 7 Minuten Lesezeit · Stand: Juli 2026 · Autor: René Pfister, dipl. Ing. HTL/FH, Exec. MBA

Die kurze Antwort
Beim Carbon Peeling wird eine Carbon-Paste auf die Haut aufgetragen und mit einem Q-Switch-Nd:YAG-Laser (1064 nm, grosser Spot um 10 mm) abgetragen — die Kohlepartikel absorbieren den Puls und nehmen dabei Hornschüppchen, Talg und Verunreinigungen mit. Das Ergebnis überrascht: feineres Hautbild, verfeinerte Poren, ein desinfizierender Effekt, der die Behandlung auch bei unreiner Haut und Akne interessant macht — ohne Ausfallzeit. Der Clou für Studios: Es ist derselbe Laser wie für die Tattooentfernung. Entscheidend ist die Gerätequalität — ein kollimierter, homogener Strahl. Mini-Laser mit fokussierender Optik im Handstück sind ein Narbenrisiko.
Was beim Carbon Peeling passiert
Zugegeben: Die Behandlung klingt zunächst kurios — man schmiert eine schwarze Carbon-Paste auf die Haut und «schiesst sie mit dem Laser wieder weg». Dahinter steckt aber saubere Physik: Die feinen Kohlepartikel dringen in Poren und Unebenheiten ein und absorbieren den Laserpuls des Q-Switch-Nd:YAG (1064 nm) extrem stark. Beim Puls werden die Partikel schlagartig abgetragen — und mit ihnen oberflächliche Hornschüppchen, Talg und Verunreinigungen. Gleichzeitig setzt der kurze thermische Reiz einen Erneuerungsimpuls in der obersten Hautschicht. Wegen des sofort frischeren Hautbilds ohne Ausfallzeit hat sich international der Name «Hollywood Peeling» eingebürgert.
Die Wirkungen — ehrlich eingeordnet
- Feineres Hautbild: Die Oberfläche wirkt geglättet und frischer, oft schon nach der ersten Behandlung.
- Porenverfeinerung: Die Reinigung der Poren und der thermische Reiz lassen das Porenbild feiner erscheinen.
- Desinfizierender Effekt: Der photothermische Impuls wirkt keimreduzierend — das macht die Behandlung auch bei unreiner Haut und leichter Akne zu einer sinnvollen Option.
- Keine Ausfallzeit: Leichte Rötungen klingen rasch ab; die Behandlung ist gesellschaftsfähig im Alltag.
Zur Ehrlichkeit gehört auch: Carbon Peeling ist eine Pflege- und Verfeinerungsbehandlung, kein Ersatz für medizinische Aknetherapie oder ablative Verfahren. Seine Stärke liegt in der Wiederholbarkeit — als Kur über mehrere Sitzungen und als Ergänzung im Behandlungskonzept.
Der Wirtschaftlichkeits-Clou: derselbe Laser wie für Tattoos
Für Studios ist das Carbon Peeling auch betriebswirtschaftlich interessant: Es braucht kein eigenes Gerät. Verwendet wird derselbe Q-Switch-Nd:YAG wie für die Tattooentfernung — eingestellt auf 1064 nm mit einem möglichst grossen Spotdurchmesser (idealerweise um 10 mm) für gleichmässige, flächige Abdeckung. Ein gutes Tattoo-Lasersystem erschliesst damit ohne Zusatzinvestition eine zweite Behandlungswelt — ein Punkt, der in jeder ROI-Rechnung auftauchen sollte.
Warum die Gerätequalität hier besonders zählt
Der Markt bietet zahlreiche kleine, günstige «Carbon-Laser», bei denen die Laserquelle direkt im Handstück sitzt. Physikalisch haben diese Konstruktionen zwei gravierende Schwächen. Erstens tritt der Strahl dort meist nicht parallel (kollimiert) aus, sondern fokussierend: Die Energiedichte auf der Haut hängt dann vom Abstand ab — ein paar Millimeter näher, und aus einer sanften Behandlung wird eine punktuelle Überdosis. Das Risiko von Verbrennungen und Narbenbildung steigt damit enorm, denn niemand hält ein Handstück über ein ganzes Gesicht in konstantem Abstand. Zweitens ist der Strahl innerhalb des Spots oft nicht homogen, sondern gaussförmig verteilt — in der Mitte deutlich intensiver als am Rand. Die Folge sind Unregelmässigkeiten im Resultat bis hin zu lokalen Überbehandlungen.
Professionelle Systeme lösen beides: kollimierter Strahlaustritt (die Fluenz bleibt unabhängig vom Abstand konstant) und ein möglichst homogenes Strahlprofil über den ganzen Spot. Genau die Qualitätsmerkmale also, die auch bei der Tattooentfernung über das Resultat entscheiden — Strahlqualität ist keine Kür, sondern der Unterschied zwischen Behandlung und Risiko.
Sicherheit und Rechtsrahmen
Auch beim Carbon Peeling gelten die Grundregeln der Laserarbeit: Schutzbrillen für alle Beteiligten, Sachkunde nach V-NISSG — und Abstand zur Augenpartie: Behandlungen in Augennähe (bis 10 mm zum Auge) sind Ärztinnen und Ärzten vorbehalten; als Anwenderin halten Sie also mindestens einen Zentimeter Abstand zur Augenpartie ein. (Quelle: BAG, Faktenblatt «Kosmetische Behandlungen mit nichtionisierender Strahlung und Schall»)
Häufige Fragen (FAQ)
Was bringt ein Carbon Peeling wirklich?
Ein sichtbar frischeres, feineres Hautbild, verfeinerte Poren und einen keimreduzierenden Effekt — ohne Ausfallzeit. Es ist eine wiederholbare Verfeinerungsbehandlung, kein Ersatz für medizinische Therapien.
Ist Carbon Peeling bei Akne sinnvoll?
Bei unreiner Haut und leichter Akne kann der desinfizierende, talgregulierende Effekt gut unterstützen. Ausgeprägte oder entzündliche Akne gehört in ärztliche Behandlung — seriöse Anbieter grenzen das ab.
Tut die Behandlung weh, gibt es Ausfallzeit?
Die Pulse sind als feines Prickeln spürbar, die Behandlung gilt als angenehm. Leichte Rötungen klingen rasch ab — daher der Beiname «Lunchtime-» oder «Hollywood Peeling».
Braucht es dafür ein eigenes Gerät?
Nein — verwendet wird derselbe Q-Switch-Nd:YAG wie für die Tattooentfernung, bei 1064 nm mit grossem Spot (ca. 10 mm). Ein gutes Tattoo-Lasersystem deckt beide Anwendungen ab.
Warum sind die kleinen Carbon-Laser problematisch?
Weil bei vielen die Quelle im Handstück sitzt und der Strahl fokussierend statt parallel austritt: Die Energiedichte hängt dann vom Abstand zur Haut ab, und das gaussförmige Strahlprofil ist in der Mitte intensiver als am Rand — beides erhöht das Risiko von Verbrennungen, Narben und ungleichmässigen Resultaten deutlich.
Rene´s Praxiserfahrung
Diese Behandlung wende ich gelegentlich auch selbst an. Das Carbon Peeling hat uns bei Artmed selbst überrascht — zugegeben, die Behandlung klingt zunächst wenig glamourös: Paste drauf, wegschiessen. Aber die Resultate sprechen für sich, gerade beim Hautbild und den Poren, und der desinfizierende Effekt macht sie bei unreiner Haut zu einer echten Empfehlung. Aus der Ingenieursperspektive ist für uns die Strahlqualität der Knackpunkt: Wir prüfen bei solchen Systemen Kollimation und Strahlprofil — denn ein fokussierender Strahl mit Gauss-Profil ist im Flächeneinsatz auf Gesichtshaut schlicht ein Konstruktionsfehler. Deshalb empfehlen wir das Carbon Peeling nur auf professionellen Q-Switch-Systemen — auf denselben, die auch Tattoos seriös entfernen. Zwei Behandlungswelten, ein durchdachtes Gerät.

Über den Autor
"René Pfister ist Elektroingenieur FH und Exec. MBA (Universität St. Gallen), Gründer der Artmed GmbH (seit 2002) und Dozent an der Laserschule Schweiz. Er unterrichtet nahezu alle Module des V-NISSG-Sachkundenachweises, ist Experte für Prüfungsabnahmen und Autor mehrerer Fachbücher über Lasertechnologie. Über die Laserschule Schweiz bildet er zudem Laserschutzbeauftragte aus — für Industrie, Pharma, Spitäler, Polizei und Bundesstellen. Er schult auf allen Gerätetypen und behandelt selbst — mit den Spezialgebieten Tattooentfernung, Permanent-Make-up-Entfernung und vaskuläre Läsionen. Denn nur wer die Behandlung aus eigener Hand kennt, kann sie glaubwürdig lehren. Seit über 20 Jahren steht Artmed für geprüfte, vermessene und persönlich betreute Lasersysteme im Schweizer Markt."
