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Tattooentfernung & Pigmentlaser

Echter Pico oder Q-Switch? Woran man den Unterschied wirklich erkennt

Fachartikel · ca. 14 Minuten Lesezeit · Stand: August 2026 · Autor: René Pfister, dipl. Ing. HTL/FH, Exec. MBA

Echter Pico oder Q-Switch: woran man den Unterschied wirklich erkennt

Die kurze Antwort

«Pico» bezeichnet die Pulsdauer: eine Pikosekunde ist der billionstel Teil einer Sekunde — tausendmal kürzer als eine Nanosekunde. Echte Picosekundenlaser sind aufwändig gebaute Präzisionsmaschinen und entsprechend teuer und schwer. Vieles, was günstig als «Pico» verkauft wird, ist in Wahrheit ein Nanosekundenlaser mit neuem Etikett — erkennbar an unplausiblen Energieangaben, widersprüchlichen Datenblättern und Formulierungen wie «bis zu …» statt einer gemessenen Pulsdauer. Die gute Nachricht: Ein hochwertiger Q-Switch-Nd:YAG mit wenigen Nanosekunden entfernt Tattoos zuverlässig — moderne Systeme mit PTP-Doppelpuls erreichen bei vielen Aufgaben gleichwertige Resultate auf einem anderen Weg — und ist jedem falschen Pico vorzuziehen.

Was «Pico» physikalisch bedeutet

Bei Lasern zur Tattooentfernung bezeichnet die Pulsdauer, wie lange der einzelne Lichtblitz dauert. Q-Switch-Laser arbeiten im Nanosekundenbereich (milliardstel Sekunden), Picosekundenlaser im Pikosekundenbereich (billionstel Sekunden) — nochmals rund tausendmal kürzer. Je kürzer der Puls bei gleicher Energie, desto höher die Spitzenleistung und desto stärker der photomechanische Effekt: Das Pigment wird nicht primär erhitzt, sondern durch die Druckwelle in feinste Partikel zersprengt, die der Körper abtransportieren kann. Kürzer ist deswegen aber nicht automatisch besser: Der sehr kurze Puls zerlegt Pigment feiner — es gibt jedoch Farben, Tiefen und Pigmente, bei denen er zu schnell ist und das längere Zeitfenster das bessere Ergebnis bringt. Die richtige Frage lautet deshalb nicht «echt oder unecht», sondern welche Pulsdauer wofür — mehr dazu in «Jeder hat das beste Gerät» — neun Prospektsätze und die Fragen, die sie prüfen. Wer «bis zu …» schreibt, nennt übrigens eine Obergrenze statt einer gemessenen Zahl — und weicht damit genau der Angabe aus, auf die es ankommt. Nicht der Wert ist das Problem, sondern das «bis zu» davor: Verlangt wird die gemessene Pulsdauer, nicht ihr bestmöglicher Fall.

 

Warum echte Picolaser teuer, schwer und selten sind

Pulse im Pikosekundenbereich zu erzeugen ist konstruktiv aufwändig: Gängige Systeme koppeln beispielsweise zwei Nd:YAG-Stufen, um auf rund 300 ps und Spitzenleistungen im Gigawatt-Bereich zu kommen — genau in diesem Bereich arbeitet auch unser eigener CXS. Solche Maschinen wiegen oft weit über 100 Kilogramm — nicht aus Nostalgie, sondern weil die Strahlführung Abweichungen von tausendstel Millimetern nicht verzeiht: Gehäusestabilität, Linsenqualität und Präzision der Laserarme entscheiden über Strahlhomogenität und damit über das Behandlungsergebnis. Die realistische Ausgangsenergie echter Picolaser liegt typischerweise bei 200 bis 500 mJ. Das alles hat seinen Preis: Ein echtes Pico-System kostet ein Mehrfaches eines gleich ausgestatteten Nanosekundengeräts — und deutlich mehr, als manche Online-Angebote suggerieren.

 

Ist Pico automatisch besser? Die ehrliche Einordnung

Vergleichsstudien zeichnen ein differenziertes Bild: Bei schwarzen und blauen Tattoos erreichen Picosekundenlaser häufiger hohe Aufhellungsgrade als Nanosekundenlaser, die Behandlung ist tendenziell etwas weniger schmerzhaft, das Risiko von Pigmentverschiebungen tendenziell geringer — und in der Praxis spart man oft ein bis zwei Sitzungen. Das sind echte Vorteile. Aber sie sind kein Automatismus: Für gewisse Pigmente kann der ultrakurze Puls schlicht «zu schnell» sein — manche Partikel sprechen auf die etwas längere Einwirkzeit eines guten Nanosekundenpulses ebenso gut an. Und bei mehrfarbigen Tattoos sind die Resultate mit beiden Technologien begrenzt — hier entscheidet nicht die Pulsdauer über Erfolg oder Misserfolg. (u. a. randomisierte Vergleichsstudie an 49 Patienten, JEADV 2017; Split-Studie JEADV 2022)

Aufschlussreich ist auch die Geschichte der Technologie: Der erste Picosekundenlaser der ästhetischen Medizin war ein Alexandrit-System mit 755 nm — mit den bekannten Grenzen dieser Wellenlänge bei der Farbabdeckung. Abhilfe schufen Wellenlängen-Aufsätze, etwa für 1064 nm — die allerdings viel Leistung kosten. Auch die edelste Technologie ist am Ende ein Kompromiss aus Pulsdauer, Wellenlängen und Leistung. Pico ist ein Werkzeug mit klaren Stärken — kein Wundermittel.

 

«Für alle Farben»: Was hinter dem Versprechen steckt

Fast alle Tattoo-Laser am Markt — unsere eingeschlossen — arbeiten nach demselben Grundprinzip: Die Basis ist ein Nd:YAG-Modul mit 1064 nm, ideal für dunkle Pigmente. Für Rot- und Orangetöne wird im Lasermodul mechanisch ein KTP-Kristall in den Strahl geführt, der die Frequenz verdoppelt: 532 nm. Dieser Schritt kostet konstruktionsbedingt rund die Hälfte der Leistung. Die Aufsätze für weitere Farben — Grün, Gelb, Hellblau, allenfalls Violett — setzen auf dem 532-nm-Strahl auf und wandeln ihn nochmals um, mit weiterem Leistungsverlust. Das ist keine Schwäche einzelner Hersteller, sondern Physik — und sie gilt für jedes Gerät am Markt, egal was der Prospekt verspricht.

Die praktische Konsequenz: Die Mehrfarben-Fähigkeit ist real und sinnvoll — aber sie steht und fällt mit der Leistungsreserve des Generators und einer verlustarmen Optik. Vom Generator bis zum Strahlaustritt wird der Strahl mehrfach umgelenkt, und jede Umlenkung ohne Präzisionsoptik kostet Energie — Energie, die am Ende genau dort fehlt, wo sie am knappsten ist: beim hellen Pigment nach zweifacher Umwandlung. Hier trennt sich die Qualität — nicht beim Farbversprechen auf dem Prospekt, das überall gleich klingt, sondern bei dem, was nach Kristall, Aufsatz und Optik noch am Pigment ankommt. Genau darauf achten wir bei der Auswahl unserer Systeme: gleiche Möglichkeiten wie alle — aber mit dem Generator und der Optik, die sie auch tragen.

 

Die Tricks der Pico-Kopien

  • Unplausible Energie: Ein Gerät, das als echtes Pikosekundensystem angeboten wird und zugleich 1000 mJ oder mehr ausweist, sollte Sie stutzig machen — solche Werte passen nicht zur Physik echter Pikosekundenpulse. Ein Nanosekundengerät mit «Pico» im Namen darf durchaus viel Energie liefern; es muss dann aber seine Pulsdauer nennen.

  • Das Umrechnungsspiel: 7 Nanosekunden lassen sich auch als 7000 Pikosekunden schreiben. Manche Anbieter machen daraus «700 ps» — und nennen es auf Nachfrage einen Druckfehler. Das Problem ist nicht die Nanosekunde, sondern die falsche Zahl: Wer im Nanosekundenbereich arbeitet, darf «Pico» im Namen führen — er muss die Pulsdauer aber nennen, wie sie ist.

  • Widersprüchliche Datenblätter: Wenn ein Gerät als «Alexandrit» beworben wird, im Datenblatt aber 1064 nm steht (die Nd:YAG-Wellenlänge), stimmt etwas Grundsätzliches nicht.

  • Bekannte Optik, unbekannter Inhalt: Gehäuse und Menü renommierter Geräte werden kopiert — was im Resonator steckt, ist eine andere Frage. Niemand misst nach; alle sind im Pico-Glauben.

 

Warum das mehr als Wortklauberei ist

Unregelmässige Energieabgabe und schlechte Strahlhomogenität sind keine Schönheitsfehler — sie führen in der Praxis zu Narbenbildung und Pigmentschäden, wie sie uns aus Berichten über missglückte Tattoo- und Permanent-Make-up-Entfernungen immer wieder begegnen. Auch die Versicherungsbranche hat sich hier weiterentwickelt: Inzwischen gibt es Haftpflichtlösungen — etwa der Mobiliar —, die sich direkt auf die zwölf Behandlungen des V-NISSG-Sachkundenachweises beziehen (über Artmed mit Rabatt erhältlich). Die Grundlogik bleibt dabei dieselbe: Versichert wird seriöses Arbeiten mit belegbaren Geräten und nachgewiesener Sachkunde. Wer mit einem nicht belegbaren Gerät behandelt, riskiert im Schadenfall den Versicherungsschutz.

 

Die ehrliche Alternative: ein guter Q-Switch

Die vielleicht wichtigste Botschaft dieses Artikels: Für die allermeisten Tattooentfernungen leistet ein hochwertiger Q-Switch-Nd:YAG mit wenigen Nanosekunden zuverlässige Arbeit — mit sauberer Strahlqualität, stabiler Energieabgabe und belegten Spezifikationen. Ein guter Nanosekundenlaser ist jedem falschen Picolaser vorzuziehen. Echte Picotechnologie hat ihre Stärken, besonders bei hartnäckigen Farben und Restpigmenten — sie ist die aufwändigere Bauweise und entsprechend teurer, aber nicht für jede Aufgabe die passendere. Und in jedem Fall gilt: ehrliche Nanotechnologie ist erfundener Picotechnologie vorzuziehen.

Moderne Q-Switch-Systeme holen dabei zusätzlich auf: Im PTP-Modus gibt das Gerät zwei Pulse in so kurzer Folge ab, dass sich über dem Pigment noch keine Vakuole (Gasbläschen) bilden kann, die den zweiten Puls abschirmen würde. Die Doppelwirkung zertrümmert das Pigment deutlich effektiver — bei vielen Aufgaben gleichwertig zu echter Picotechnologie, auf einem anderen Weg.

Und weil der Markt nun einmal «Pico» verlangt — oft ohne zu wissen, was das bedeutet, aber selten bereit, den Preis echter Picotechnologie zu bezahlen —, gehen wir bei Artmed einen transparenten Weg: Wir benennen die Pulsdauern offen. Unser Long-Pico (RenPico Smart CXL — das L steht für long) arbeitet mit rund 4000 ps — also 4 Nanosekunden — plus PTP-Modus, unser Real-Pico (RenPico Smart CXS — das S steht für short) mit rund 300 ps. Beide Angaben stehen so im Datenblatt und halten jeder Messung stand. Wir führen beide, weil beide ihre Aufgaben haben — und der Unterschied zu manch anderem Anbieter ist nicht das Wort «Pico» im Namen, sondern dass bei uns dabeisteht, was es bedeutet.


 Beide heissen «Pico». Zwischen ihnen liegen über zwanzigtausend Franken — und dieser Unterschied ist die Pulsdauer. Sie ist der teuerste Parameter im Gerät. Wer nur «Pico» sagt und keine Pulsdauer nennt, kann deshalb die Erwartung des einen Geräts zum Preis des anderen verkaufen. Genau darum gehört die Zahl auf den Tisch — gemessen, nicht als «bis zu».

 

Und ebenso wichtig: Kürzer ist nicht automatisch besser. Der doppelte Preis kauft keine doppelte Wirksamkeit, sondern ein anderes Werkzeug für andere Aufgaben — sonst könnten wir uns den CXL sparen. Welches der beiden passt, entscheiden Farbe, Tiefe und Pigmentart, nicht der Name und nicht der Preis.

 

Die Prüfliste vor dem Pico-Kauf

  • Pulsdauer schriftlich und mit Einheit bestätigen lassen — und die Plausibilität prüfen (ps vs. ns).

  • Energieangabe hinterfragen: Passt sie zur behaupteten Pulsdauer?

  • Innerhalb des Sortiments vergleichen: Was kostet beim selben Anbieter das Gerät mit der längeren Pulsdauer? Die Differenz zeigt, wie viel Pulsdauer dort tatsächlich verkauft wird.

  • Wellenlängen im Datenblatt mit der Produktbezeichnung abgleichen.

  • Messprotokoll verlangen — oder die Messung im Beisein durchführen lassen.

  • Gewicht und Aufbau erklären lassen: Präzisionsoptik hat Masse.

  • Versicherbarkeit klären: Akzeptiert Ihre Haftpflicht das Gerät?

 

 

Was die Studien tatsächlich zeigen — und was nicht

Über die Pikosekundentechnik wird viel behauptet und wenig belegt. Drei Vorteile werden regelmässig genannt: weniger Sitzungen, weniger Pigmentverschiebung, weniger Schmerzen. Wir haben sie einzeln gegen die klinische Literatur gehalten, und das Ergebnis ist differenzierter, als beide Lager es gerne hätten.

 

Weniger Sitzungen — die Behauptung mit der schwächsten Grundlage

Der bislang grösste Übersichtsartikel wertete 36 Studien mit 1'560 Patientinnen und Patienten aus. Sein Befund für schwarze Tattoos: kein statistisch signifikanter Wirksamkeitsunterschied zwischen Pikosekundenlasern und dem gütegeschalteten Nd:YAG. Eine Metaanalyse von 2025 kommt für exogenes Pigment auf ein relatives Risiko von 1,39 mit einem Vertrauensbereich von 0,99 bis 1,94 und einem p-Wert von 0,05 — also knapp nicht signifikant. Eine kleine Vergleichsstudie fand sogar den Nanosekunden-Rubinlaser leicht überlegen.

Wo die Pikosekundentechnik sichtbar besser abschneidet, ist bei den schwierigen Farben — blau, grün, gelb. Dort ist der Vorteil real. Eine Zahl wie «ein bis zwei Sitzungen weniger» steht dagegen in keiner Studie. Wer sie nennt, nennt eine Erfahrung, keine Messung — und sollte das dazusagen.

 

Weniger Pigmentverschiebung und weniger Schmerzen — belegt, aber klein

Hier trägt die Datenlage. Die Metaanalyse 2025 findet signifikant seltener postinflammatorische Hyperpigmentierung und Hypopigmentierung unter Pikosekundenbehandlung, und ebenso signifikant weniger Schmerz. Zwei Einschränkungen gehören dazu: Die Effekte sind klein und die Skalen überlappen stark, und die Kohorten sind überwiegend asiatisch — für andere Hauttypen ist die Übertragbarkeit offen. Ausserdem treten beide Ereignisse auch unter Pikosekundenbehandlung häufig auf: Hyperpigmentierung in etwa 16 Prozent, Hypopigmentierung in 10 bis 17 Prozent der Fälle.

 

Was daraus folgt

Die kurze Pulsdauer ist ein anderes Werkzeug, kein höherwertiges. Sie kauft man für schwierige Farben, für empfindliche Haut und für Kundinnen, die wenig Ausfallzeit vertragen. Für schwarze Standardtattoos ist der belegte Unterschied gering. Und was mit dem Preis ebenfalls steigt, steht in keinem Prospekt: die Unterhaltskosten. Höhere Spitzenleistungen liegen physikalisch näher an der Zerstörschwelle optischer Bauteile — die Zerstörschwelle skaliert etwa mit der Wurzel der Pulsdauer. Unabhängige Zahlen zu Lebensdauer und Serviceintervallen ästhetischer Systeme existieren nicht; wer eine Anschaffung rechnet, sollte deshalb nach Verbrauchsteilen, Farbstoff-Handstücken und Serviceintervallen fragen und die Antwort schriftlich haben.

 

Warum ein sofortiger zweiter Durchgang wenig bringt

Unmittelbar nach dem Puls wird die behandelte Stelle weiss. Diese Weissfärbung ist keine Koagulation, sondern Streuung an Dampfbläschen, die im Gewebe entstehen. Und diese Bläschen schirmen ab: Nachfolgende Pulse kommen kaum noch am Pigment an. Die Bläschen lösen sich klinisch über rund zwanzig Minuten auf.

Daraus sind zwei Behandlungsstrategien entstanden, und dass sie funktionieren, ist der eigentliche Beweis für die Abschirmung. Bei der einen wird viermal in derselben Sitzung behandelt, mit jeweils zwanzig Minuten Pause — in einer kleinen Studie waren danach 61 Prozent der Areale vollständig abgeräumt gegenüber null Prozent bei einem einzigen Durchgang, allerdings mit deutlich stärkerer Hautreaktion. Bei der anderen wird die Weissfärbung mit einer topischen Flüssigkeit in wenigen Sekunden aufgelöst, was in einer randomisierten Studie ebenso wirksam war und die Sitzung von etwa sechzig auf fünf Minuten verkürzte.

Für die Praxis heisst das: Nicht die Zahl der Pulse entscheidet, sondern ob sie ankommen. Wer sofort nachsetzt, arbeitet gegen eine Dampfschicht.

An dieser Stelle sitzt auch die verbreitete Begründung für Doppelpuls-Techniken, der zweite Puls treffe das Partikel, bevor die Blase entsteht. Zeitlich trägt das nur bei Pulsabständen im unteren Nanosekundenbereich; die im Markt verbreiteten Doppelpuls-Modi arbeiten mit Abständen von rund hundert Mikrosekunden — da ist die Blase längst entstanden und meist schon wieder kollabiert. Ein präklinisches Modell legt eine andere Erklärung nahe: Ein zweiter, schwächerer Puls nach der Fragmentierung bearbeitet die entstandenen Bruchstücke nach, bei geringerer thermischer Tiefenwirkung. Beobachtete Verbesserungen sind damit nicht entwertet — nur die Begründung dafür ist eine andere.

 

Die zweite Hälfte: den Abtransport bearbeiten

Der Laser zerlegt. Weggeräumt wird von den Fresszellen der Haut und über die Lymphe — und genau dort entscheidet sich, wie schnell ein Tattoo verschwindet. Eine Arbeit von 2018 hat gezeigt, wie zäh dieser Weg ist: Stirbt eine pigmentbeladene Fresszelle, bleibt das Pigment weitgehend am Ort und wird von der nächsten wieder aufgenommen. Der Abtransport ist kein Abfluss, sondern ein Wettlauf.

Daraus folgt der Teil der Beratung, den fast niemand führt. In einer grossen Untersuchung sank bei Raucherinnen und Rauchern die Wahrscheinlichkeit, ein Tattoo innerhalb von zehn Sitzungen loszuwerden, um rund 70 Prozent. Für Diabetes, Stoffwechselstörungen und beeinträchtigten Lymphabfluss gibt es keine vergleichbaren Daten — die Richtung ist plausibel, belegt ist sie nicht, und so gehört sie auch formuliert.

Bemerkenswert ist, was das etablierte Prognoseinstrument der Branche enthält und was nicht. Es bewertet Hauttyp, Körperstelle, Farbe, Tintenmenge, Vernarbung und Überdeckung — und sagt die Sitzungszahl damit brauchbar voraus. Rauchen, Stoffwechsel, Immun- und Lymphstatus kommen darin nicht vor. Wer diese Faktoren im Vorgespräch abfragt, prognostiziert genauer als die Skala.

 

Fraktionierte Verfahren als Ergänzung — was belegt ist

Der naheliegende Gedanke, den Abtransport durch eine zusätzliche fraktionierte Behandlung zu unterstützen, ist untersucht — aber deutlich schwächer, als die Werbung nahelegt. Belegt ist auf niedrigem Evidenzniveau, dass ein vollflächiger ablativer Abtrag vor der Laserbehandlung die Sitzungszahl senkt; die Begründung dafür ist rein optisch, nämlich der Wegfall des konkurrierend absorbierenden Melanins. Der Preis ist hoch: In der grösseren der beiden Studien lag die Vernarbungsrate auf der Kombinationsseite bei knapp 14 Prozent gegenüber null auf der Vergleichsseite.

Für fraktionierte Verfahren als Ergänzung existiert am Menschen keine einzige verblindete kontrollierte Studie. Für ein fraktioniertes Handstück auf 1064 nm gibt es genau eine unverblindete Arbeit an 19 Tattoos, mit einem Vorteil in der Clearance. Das ist ein Hinweis, kein Nachweis.

Und die drei Begründungen, die in der Praxis kursieren, schliessen einander teilweise aus: Austritt des Pigments durch offene Mikrokanäle, verstärkte Entzündung mit beschleunigtem Lymphabtransport, oder Druckentlastung für die entstehenden Gase. Die eingängigste — der Austritt durch Kanäle — gilt ausgerechnet für nicht-ablative Handstücke nicht, denn die öffnen die Haut gar nicht. Und gegen die Entzündungserklärung spricht dieselbe Arbeit von 2018: Mehr Entzündung heisst mehr nachrückende Fresszellen, die das Pigment wieder aufnehmen könnten. Untersucht ist das nicht.

Quellenlage: systematischer Übersichtsartikel JAAD 2021 (36 Studien, 1'560 Patienten); Metaanalyse Lasers Med Sci 2025 (21 Studien, 971 Patienten); Kossida et al., JAAD 2012 (R20); Reddy/Anderson (R0, Perfluordecalin); Bencini et al., Arch Dermatol 2012 (Rauchen); Baranska et al., J Exp Med 2018 (Fresszellen); Kirby-Desai-Skala, JCAD 2009; Sardana 2013 und Gollamudi 2024 (vollflächig ablative Kombination); Sirithanabadeekul 2022 (fraktioniertes 1064-nm-Handstück). Die vollständige Quellenliste mit Verlinkung liegt bei Artmed vor und wird auf Anfrage abgegeben.

Häufige Fragen (FAQ)

 

Ist ein Picolaser besser als ein Q-Switch-Laser?

Bei schwarzen und blauen Tattoos zeigen Studien Vorteile für Picotechnologie: höhere Aufhellungsraten, tendenziell weniger Schmerz, geringeres Pigmentverschiebungsrisiko — oft ein bis zwei Sitzungen weniger. Für gewisse Pigmente kann der ultrakurze Puls aber auch «zu schnell» sein, und bei mehrfarbigen Tattoos sind beide Technologien limitiert. Ein guter Q-Switch mit PTP-Modus liefert zuverlässige Resultate — und ist jedem falschen «Pico» klar vorzuziehen.

 

Woran erkenne ich einen falschen Picolaser?

An unplausiblen Kombinationen: sehr tiefer Preis, sehr hohe Energieangaben (1000 mJ+), widersprüchliche Wellenlängen im Datenblatt, «bis zu»-Formulierungen ohne gemessene Zahl — und daran, dass der Anbieter kein Messprotokoll vorlegen kann.

 

Was bedeutet eine «bis zu»-Angabe bei der Pulsdauer?

Wörtlich genommen ist «bis zu» eine Obergrenze und keine Angabe — die Formulierung zeigt meist, dass Marketing statt Physik am Werk war. Der Einwand gilt dabei der Formulierung, nicht dem genannten Wert: Rund 300 ps sind eine hervorragende Zahl, wenn sie gemessen ist — unser CXS liegt genau dort. Seriöse Angaben nennen die tatsächliche Pulsdauer mit Toleranz; welche Pulsdauer für welche Farbe und Tiefe die richtige ist, ist danach die eigentliche Fachfrage.

 

Wie viele Sitzungen braucht eine Tattooentfernung?

Je nach Farbe, Stichtiefe, Pigmentmenge und Hauttyp meist zwischen 6 und 12 Sitzungen, mit mehrwöchigen Abständen. Seriöse Anbieter machen keine Pauschalversprechen — und klären vorab über realistische Erwartungen auf.

 

Was ist der PTP-Modus?

PTP steht für einen Doppelpuls-Betrieb: Zwei Laserpulse folgen so schnell aufeinander, dass sich über dem Pigment noch keine abschirmende Vakuole bilden kann — beide Pulse wirken voll auf das Pigment. Gute Nanosekundenlaser erreichen damit eine Zertrümmerungswirkung, die bei vielen Aufgaben mit echter Picotechnologie gleichzieht — über einen anderen Weg.

 

Was bedeutet Long-Pico und Real-Pico?

Unsere transparente Benennung der Pulsdauern: Long-Pico bezeichnet Systeme mit rund 4000 ps (4 ns) plus PTP-Modus, Real-Pico echte Picosekundentechnik mit rund 300 ps. Beide Werte stehen im Datenblatt und sind messbar — genau diese Offenheit fehlt vielen «Pico»-Angeboten. Im Richtpreis liegen die beiden über zwanzigtausend Franken auseinander (rund 22 000 gegenüber rund 50 000 Franken), und dieser Unterschied ist im Wesentlichen die Pulsdauer. Welches der beiden das richtige ist, entscheidet trotzdem nicht der Preis und nicht der Name, sondern die Aufgabe: Farbe, Tiefe und Pigmentart. Kürzer ist nicht automatisch besser.

 

Kann ein Laser wirklich alle Tattoofarben entfernen?

Dunkle Pigmente (Schwarz, Dunkelblau) sprechen am besten an (1064 nm), Rot und Orange gut auf 532 nm. Für Grün, Gelb und Hellblau gibt es Farb-Aufsätze — sie funktionieren, arbeiten aber prinzipbedingt mit reduzierter Leistung, weshalb Generatorreserve und Optikqualität hier entscheidend sind. Mehrfarbige Tattoos brauchen mit jeder Technologie mehr Sitzungen und realistische Erwartungen.

Rene´s Praxiserfahrung

Die Tattoo- und Permanent-Make-up-Entfernung gehört zu meinen eigenen Behandlungs-Spezialgebieten — ich kenne diese Arbeit aus erster Hand, nicht nur aus der Theorie. Dieses Thema beschäftigt uns bei Artmed seit Jahren — unser Knowledge Report «Alles Pico oder was?» stammt bereits von 2019, und er ist aktueller denn je. Was wir seither beobachten: Die Kopien sind besser verpackt, aber die Physik ist dieselbe geblieben. Wenn uns ein «Picolaser» mit 1000 mJ und Kampfpreis angeboten wird, wissen wir, was drin steckt — und wir haben solche Geräte bewusst nie ins Programm genommen. In den Schulungen zur Tattooentfernung, auch für Ärztinnen und Ärzte, sehen wir regelmässig die Folgen unregelmässiger Energieabgabe: Narben, die vermeidbar gewesen wären. Unsere Linie ist deshalb seit Jahren dieselbe: lieber ein ehrlicher, vermessener Nanosekundenlaser als ein erfundener Pico. Bei unseren Geräten ist drin, was draufsteht — das lassen wir uns per Messung bestätigen.

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Über den Autor

"René Pfister ist Elektroingenieur FH und Exec. MBA (Universität St. Gallen), Gründer der Artmed GmbH (seit 2002) und Dozent an der Laserschule Schweiz. Er unterrichtet nahezu alle Module des V-NISSG-Sachkundenachweises, ist Experte für Prüfungsabnahmen und Autor mehrerer Fachbücher über Lasertechnologie. Über die Laserschule Schweiz bildet er zudem Laserschutzbeauftragte aus — für Industrie, Pharma, Spitäler, Polizei und Bundesstellen. Er schult auf allen Gerätetypen und behandelt selbst — mit den Spezialgebieten Tattooentfernung, Permanent-Make-up-Entfernung und vaskuläre Läsionen. Denn nur wer die Behandlung aus eigener Hand kennt, kann sie glaubwürdig lehren. Seit über 20 Jahren steht Artmed für geprüfte, vermessene und persönlich betreute Lasersysteme im Schweizer Markt."

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