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Fraktionale Laser: CO₂, Erbium-Glass oder Nd:YAG — was die Kosmetik darf und was wirkt

Fachartikel · ca. 9 Minuten Lesezeit · Stand: Juli 2026 · Autor: René Pfister, dipl. Ing. HTL/FH, Exec. MBA

Fraktionale Laser: was die Kosmetik darf und was wirklich wirkt

Die kurze Antwort

Fraktionale Laser behandeln die Haut nicht flächig, sondern in vielen mikroskopischen Punkten — dazwischen bleibt gesunde Haut, was die Heilung beschleunigt. Für tiefe Falten und Narben ist der fraktionale CO₂-Laser (10'600 nm) das stärkste Werkzeug — aber er ist ablativ und damit in der Schweiz Ärztinnen und Ärzten vorbehalten. Die kosmetiktaugliche Alternative ist der nicht-ablative fraktionale Erbium-Glass-Laser (1540 nm): sanfter, mit deutlich weniger Ausfallzeit, dafür in mehreren Sitzungen und mit milderer Straffung. Die Faustregel dahinter: Ab etwa 2000 nm wird das Gewebe verdampft (ablativ, ärztlich) — darunter arbeitet man nicht-ablativ. Auch fraktionale Nd:YAG-Aufsätze gehören in dieses Feld.

Was «fraktional» bedeutet

Das Prinzip ist so einfach wie genial: Statt die ganze Hautfläche zu behandeln, teilt ein fraktionaler Laser seinen Strahl in ein Raster vieler winziger Behandlungspunkte auf — mikroskopische Säulen, die in die Haut wirken, umgeben von unberührter, gesunder Haut. Diese «Inseln» gesunden Gewebes sind der Trick: Von ihnen aus heilt die Haut schnell und kontrolliert, während der Reiz in den Behandlungspunkten die Kollagenneubildung anregt. So erreicht man eine spürbare Wirkung bei deutlich kürzerer Heilungszeit als bei einer flächigen Abtragung.

 

Die entscheidende Grenze: ablativ oder nicht-ablativ

Bei den Lasertypen verläuft die wichtigste Trennlinie zwischen ablativ (die Haut wird an den Behandlungspunkten verdampft, also abgetragen) und nicht-ablativ (die Haut bleibt oberflächlich intakt, die Wärme wirkt nur in der Tiefe). Diese Trennlinie ist nicht nur medizinisch, sondern auch rechtlich entscheidend: Das BAG-Faktenblatt führt Behandlungen mit ablativen Lasern ausdrücklich unter ärztlichem Vorbehalt — sie sind Ärztinnen, Ärzten und deren direkt unterwiesenem Praxispersonal vorbehalten. (Quelle: BAG, Faktenblatt «Kosmetische Behandlungen mit nichtionisierender Strahlung und Schall»)

Physikalisch steckt dahinter die Wasserabsorption: Wasser ist der Hauptbestandteil der Haut, und oberhalb einer Wellenlänge von rund 2000 nm wird Laserlicht so stark vom Gewebewasser absorbiert, dass es die Zellen schlagartig verdampft — der Laser wirkt ablativ. Unterhalb von etwa 2000 nm ist die Wasserabsorption geringer: Die Energie erwärmt das Gewebe und regt Kollagen an, ohne die Oberfläche zu durchbrechen — nicht-ablativ. Diese 2000-nm-Marke ist eine gute Orientierung, um ein Gerät einzuordnen.

 

CO₂-Laser (10'600 nm): der Goldstandard — mit Auszeit und Vorbehalt

Der fraktionale CO₂-Laser ist das kräftigste Werkzeug für tiefe Falten, ausgeprägte Aknenarben und fortgeschrittene Lichtschäden. Weil seine Wellenlänge tief im ablativen Bereich liegt, trägt er Gewebe ab und erzeugt durch die tiefe Wärmewirkung die stärkste Kollagenremodellierung — und damit die deutlichste Hautstraffung. Der Preis dafür: Er ist ablativ, verursacht 7–14 Tage sichtbare Ausfallzeit (Rötung, Schuppung) und trägt ein höheres Risiko für Pigmentverschiebungen, gerade bei dunkleren Hauttypen. Und: In der Schweiz gehört er in ärztliche Hände. Für die Kosmetikerin ist er keine Option.

 

Erbium-Glass fraktional (1540 nm): die kosmetiktaugliche Lösung

Hier liegt die Alternative für den kosmetischen Bereich. Der fraktionale Erbium-Glass-Laser mit 1540 nm arbeitet nicht-ablativ — er liegt unter der 2000-nm-Marke, lässt die Hautoberfläche intakt und wirkt mit kontrollierter Wärme in der Tiefe. Das bedeutet:

  • Deutlich weniger Ausfallzeit: meist 3–7 Tage mit milderen Symptomen statt 1–2 Wochen.
  • Sanfteres Risikoprofil: geringere Wärmebelastung der Oberfläche, dadurch weniger Pigmentverschiebungen — auch bei mittleren bis dunkleren Hauttypen besser verträglich.
  • Einsatzgebiet: feine Linien, Hauttextur, mildere Narben, frühe Alterungszeichen.

Die ehrliche Kehrseite: Was sanfter wirkt, wirkt auch weniger radikal. Die Straffung fällt milder aus als beim CO₂, und man braucht in der Regel mehrere Sitzungen (oft 2–3 oder mehr) für ein sichtbares Ergebnis. Für den kosmetischen Rahmen ist das kein Nachteil, sondern die passende Dosierung: kontinuierliche Verbesserung ohne Auszeit statt eines einmaligen, harten Eingriffs.

 

Verwechslungsgefahr: Erbium ist nicht gleich Erbium

Ein Punkt, bei dem man genau hinschauen muss: Neben dem nicht-ablativen Erbium-Glass (1540 nm) gibt es den Er:YAG-Laser mit 2940 nm — der liegt über 2000 nm, ist ablativ und damit ebenfalls ärztlich vorbehalten. «Erbium» allein sagt also noch nichts über die Zulässigkeit aus; entscheidend ist die Wellenlänge und ob das Gerät ablativ oder nicht-ablativ arbeitet. Wer ein «Erbium»-Gerät angeboten bekommt, fragt konkret nach der Wellenlänge.

 

Fraktionale Nd:YAG-Aufsätze: die dritte Familie

Auch der Nd:YAG-Laser (1064 nm) lässt sich fraktional einsetzen — über spezielle Aufsätze, die den Strahl in ein Punktraster teilen. Mit 1064 nm liegt er klar im nicht-ablativen Bereich und wirkt über kontrollierte Wärme in der Tiefe. Ein interessanter Nebeneffekt ist der desinfizierende, entzündungsmodulierende Reiz — der auch in einem speziellen Anwendungsfeld genutzt wird: rund um die Tattooentfernung. Ein gezielt gesetzter fraktionaler Reiz kann die lokale Entzündungsreaktion verstärken, was den Abbau der zertrümmerten Pigmente durch das körpereigene System unterstützen soll. Das ist ein spezialisiertes Verfahren, das in erfahrene Hände gehört — die Details der Tattooentfernung selbst behandeln wir vertieft im Wissensbereich der Laserschule Schweiz.

 

Welche Lösung für wen?

  • Kosmetikstudio, nicht-invasiv, ohne Auszeit für die Kundin: fraktionaler Erbium-Glass (1540 nm) oder fraktionaler Nd:YAG — das sind die Geräte, die Sie mit Sachkunde einsetzen dürfen.
  • Tiefe Falten, ausgeprägte Narben, maximale Straffung: fraktionaler CO₂ — aber das ist eine ärztliche Behandlung, keine kosmetische.
  • Dunklere Hauttypen: nicht-ablative Verfahren sind wegen des geringeren Pigmentrisikos meist die sicherere Wahl — mit sorgfältiger Parameterwahl und Testbehandlung.

 

Häufige Fragen (FAQ)

 

Darf eine Kosmetikerin mit fraktionalen Lasern arbeiten?

Mit nicht-ablativen fraktionalen Lasern (z. B. Erbium-Glass 1540 nm oder fraktionaler Nd:YAG) ja. Ablative Laser — CO₂ (10'600 nm) und Er:YAG (2940 nm) — sind gemäss BAG ärztlich vorbehalten.

 

Was ist der Unterschied zwischen CO₂ und Erbium-Glass?

CO₂ (10'600 nm) ist ablativ, sehr wirksam bei tiefen Falten und Narben, aber mit 1–2 Wochen Ausfallzeit und ärztlich vorbehalten. Erbium-Glass (1540 nm) ist nicht-ablativ, sanfter, mit 3–7 Tagen Ausfallzeit und für den kosmetischen Einsatz geeignet — dafür braucht es mehrere Sitzungen.

 

Was bedeutet die 2000-nm-Grenze?

Eine Orientierung: Oberhalb von etwa 2000 nm wird Laserlicht so stark von Gewebewasser absorbiert, dass es die Haut abträgt (ablativ) — darunter erwärmt es nur (nicht-ablativ). Ablative Laser sind in der Schweiz ärztlich vorbehalten.

 

Bringt der nicht-ablative Laser überhaupt Resultate?

Ja — bei feinen Linien, Textur und milderen Narben, über mehrere Sitzungen aufgebaut. Die Wirkung ist sanfter als beim CO₂, dafür ohne Auszeit und mit geringerem Risiko. Für den kosmetischen Rahmen ist das die passende Dosierung.

Rene´s Praxiserfahrung

Die Frage «Können wir nicht auch CO₂?» hören wir oft — und die Antwort ist ein klares, ehrliches Nein für den kosmetischen Bereich: CO₂ ist ablativ und ärztlich vorbehalten, Punkt. Aber statt die Kundin mit dieser Grenze allein zu lassen, zeigen wir die Lösung: den nicht-ablativen fraktionalen Weg über Erbium-Glass 1540 nm oder fraktionale Nd:YAG-Aufsätze. Aus unserer Erfahrung sind die Resultate für den kosmetischen Rahmen sehr ansprechend — man muss nur ehrlich kommunizieren, dass es mehrere Sitzungen braucht und die Straffung sanfter ausfällt als bei einem ablativen Eingriff. Als Ingenieur schätze ich an der 2000-nm-Logik, dass sie ein komplexes Feld auf eine merkbare physikalische Grenze bringt: Wasserabsorption entscheidet, ob abgetragen oder erwärmt wird — und damit auch, was erlaubt ist. Diese Klarheit gebe ich in den Schulungen gerne weiter.

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Über den Autor

"René Pfister ist Elektroingenieur FH und Exec. MBA (Universität St. Gallen), Gründer der Artmed GmbH (seit 2002) und Dozent an der Laserschule Schweiz. Er unterrichtet nahezu alle Module des V-NISSG-Sachkundenachweises, ist Experte für Prüfungsabnahmen und Autor mehrerer Fachbücher über Lasertechnologie. Über die Laserschule Schweiz bildet er zudem Laserschutzbeauftragte aus — für Industrie, Pharma, Spitäler, Polizei und Bundesstellen. Er schult auf allen Gerätetypen und behandelt selbst — mit den Spezialgebieten Tattooentfernung, Permanent-Make-up-Entfernung und vaskuläre Läsionen. Denn nur wer die Behandlung aus eigener Hand kennt, kann sie glaubwürdig lehren. Seit über 20 Jahren steht Artmed für geprüfte, vermessene und persönlich betreute Lasersysteme im Schweizer Markt."

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