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Couperose lasern: 532 oder 980 Nanometer — und was ist überhaupt erlaubt?
Fachartikel · ca. 8 Minuten Lesezeit · Stand: Juli 2026 · Autor: René Pfister, dipl. Ing. HTL/FH, Exec. MBA

Die kurze Antwort
Für kosmetische Gefässbehandlungen — Couperose, Teleangiektasien und kleine Blutschwämmchen bis 3 mm — stehen im Wesentlichen zwei Laser zur Wahl: 532 nm, hochselektiv auf das Hämoglobin im Gefäss, sehr sicher und präzise, dafür mit geringerer Eindringtiefe und deutlich höherem Gerätepreis. Und 980 nm, das stärker über die Wasserabsorption wirkt — weniger selektiv, dafür tiefer reichend und wesentlich günstiger. Daneben existieren RF-Spitzen zur Verödung oberflächlicher Äderchen und Nadel-Aufsätze für Epilationsgeräte. Und der rechtliche Rahmen ist eng gesteckt: Mit Sachkundenachweis erlaubt sind Behandlungen bis 3 mm ausserhalb der Augenpartie — Besenreiser an den Beinen, Feuermale und alles Grössere gehören in ärztliche Hände.
Was Sie behandeln dürfen — und was nicht
Bevor die Technik zur Sprache kommt, muss der rechtliche Rahmen klar sein, denn er ist enger, als viele denken. Gemäss BAG-Faktenblatt dürfen Personen mit Sachkundenachweis «Haut und Pigmentierung» behandeln: Couperose, Blutschwämmchen und Spinnennävi, die kleiner als oder gleich 3 mm sind und sich nicht in Augennähe befinden. Unter ärztlichem Vorbehalt stehen dagegen: Angiome und Blutschwämme über 3 mm, Feuermale — und ausdrücklich auch Varizen und Besenreiser. Die klassische Beinäderchen-Behandlung gehört damit in ärztliche Hände, ebenso alle Behandlungen in Augennähe (bis 10 mm zum Auge). Wer als Kosmetikerin Besenreiser an den Beinen lasert, bewegt sich nicht in einer Grauzone, sondern ausserhalb der Verordnung. (Quelle: BAG, Faktenblatt «Kosmetische Behandlungen mit nichtionisierender Strahlung und Schall»)
532 nm: Der Selektive
Der 532-nm-Laser (frequenzverdoppelter Nd:YAG, KTP) liegt nahe am Absorptionsmaximum des Hämoglobins — genau des Farbstoffs, der im störenden Gefäss steckt. Das macht ihn hochselektiv: Die Energie wirkt im Gefäss, das umliegende Gewebe bleibt weitgehend verschont. Die Behandlung ist dadurch sehr kontrolliert und sicher, das Resultat oft unmittelbar sichtbar — das Äderchen verschwindet unter dem Puls. Die Kehrseiten: Die Eindringtiefe ist begrenzt (532 nm ist eine kurze Wellenlänge), sehr tief liegende Gefässe erreicht er schlechter — und weil auch Melanin bei 532 nm kräftig absorbiert, verlangen dunklere Hauttypen besondere Zurückhaltung. Und: Die Technologie hat ihren Preis, denn hinter einem guten 532er steckt aufwändige Lasertechnik mit hoher Strahlqualität.
980 nm: Der Tiefere, Günstigere
Diodenlaser mit 980 nm wirken anders: Diese Wellenlänge wird stärker vom Gewebewasser absorbiert (und nur schwächer vom Hämoglobin). Das macht die Behandlung weniger selektiv — ein Teil der Energie erwärmt zwangsläufig das wasserhaltige Umgebungsgewebe. Dafür dringt 980 nm tiefer ein, was bei tiefer liegenden Gefässherden ein echter Vorteil sein kann, und die Gerätetechnik ist wesentlich günstiger. In der Praxis heisst das: Der 980er verlangt mehr Können und Zurückhaltung, weil die Selektivität, die beim 532er die Physik erledigt, hier von der Anwenderin kommen muss.
Die Alternativen jenseits des Lasers
- RF-Spitze: Radiofrequenzgeräte mit feiner Spitze veröden oberflächliche Äderchen thermisch — punktgenau, günstig in der Anschaffung, aber Punkt für Punkt und entsprechend zeitintensiv bei flächiger Couperose.
- Nadel-Aufsätze für Epilationsgeräte: Spezielle, längere Nadeln werden in das Gefäss eingeführt und veröden es über das Hochfrequenzfeld — dieselbe Technik, die bei der Nadelepilation das Haar verödet. Ein Nischenverfahren mit Berechtigung, das viel Übung verlangt.
Unsere Wahl — und die ehrliche Preisfrage
Wir haben uns bei Artmed für den 532-nm-Weg entschieden und führen ihn im Programm. Der Grund ist die Selektivität: Gerade im Gesicht und an sichtbaren Zonen — Wangen, Nasenpartie, Nasenflügel, aber auch Hals und Décolleté — arbeitet man mit 532 nm präzise am Gefäss statt am Gewebe, mit Resultaten, die sich sehen lassen können und oft sofort sichtbar sind. Die ehrliche Ergänzung dazu: 532-nm-Systeme sind deutlich teurer als 980er. Wer überwiegend im Gesicht arbeitet und Wert auf maximale Kontrolle legt, investiert in die Selektivität. Der 980er ist deshalb nicht schlecht — er ist ein anderer Kompromiss: tiefer und günstiger, aber unspezifischer. Wichtig ist nur, dass man den Unterschied kennt, bevor man kauft — und nicht erst am Patienten.
Häufige Fragen (FAQ)
Darf ich als Kosmetikerin Besenreiser an den Beinen behandeln?
Nein. Varizen und Besenreiser stehen gemäss BAG-Faktenblatt unter ärztlichem Vorbehalt — ebenso Angiome über 3 mm, Feuermale und alle Behandlungen in Augennähe. Mit Sachkundenachweis erlaubt sind Couperose, Blutschwämmchen und Spinnennävi bis 3 mm ausserhalb der Augenpartie.
532 oder 980 nm — was ist besser?
532 nm ist selektiver (Hämoglobin) und im Gesicht die präzisere, sicherere Wahl — aber teurer und weniger tief. 980 nm dringt tiefer ein und kostet weniger, wirkt aber über die Wasserabsorption unspezifischer. Für die klassische Gesichts-Couperose spricht die Physik für 532 nm.
Sieht man das Ergebnis sofort?
Bei feinen Gefässen mit 532 nm häufig ja — das Äderchen verschwindet oft unmittelbar unter dem Puls oder blasst in den Folgetagen ab. Grössere oder tiefere Befunde brauchen mehrere Sitzungen und gehören je nach Grösse in ärztliche Behandlung.
Ist die Behandlung schmerzhaft?
Die Pulse sind als kurzes Stechen oder Wärmegefühl spürbar, aber gut tolerierbar — die Behandlungen sind kurz und punktuell. Eine gute Hautkühlung erhöht den Komfort zusätzlich.
Rene´s Praxiserfahrung
Vaskuläre Behandlungen gehören zu meinen persönlichen Spezialgebieten; ich führe sie selbst durch. Die Gefässbehandlung mit 532 nm gehört zu den dankbarsten Anwendungen, die wir kennen — kaum eine andere Behandlung zeigt so unmittelbar sichtbare Resultate. Unsere besten Erfahrungen machen wir im Gesichtsbereich — Wangen, die Partie um die Nase, Nasenflügel — sowie an Hals und Décolleté. Dass wir uns trotz des deutlich höheren Gerätepreises für die 532-nm-Technologie entschieden haben, ist eine bewusste Qualitätsentscheidung: Im Gesicht arbeitet man nicht «ungefähr», und die Selektivität aufs Hämoglobin gibt genau die Kontrolle, die diese Zone verlangt. In den Schulungen legen wir zudem grossen Wert auf die rechtliche Abgrenzung — die Drei-Millimeter-Grenze, die Augenpartie und der ärztliche Vorbehalt bei Besenreisern werden dort genauso geübt wie die Parameterwahl. Denn das beste Resultat nützt nichts, wenn die Behandlung gar nicht hätte stattfinden dürfen.

Über den Autor
"René Pfister ist Elektroingenieur FH und Exec. MBA (Universität St. Gallen), Gründer der Artmed GmbH (seit 2002) und Dozent an der Laserschule Schweiz. Er unterrichtet nahezu alle Module des V-NISSG-Sachkundenachweises, ist Experte für Prüfungsabnahmen und Autor mehrerer Fachbücher über Lasertechnologie. Über die Laserschule Schweiz bildet er zudem Laserschutzbeauftragte aus — für Industrie, Pharma, Spitäler, Polizei und Bundesstellen. Er schult auf allen Gerätetypen und behandelt selbst — mit den Spezialgebieten Tattooentfernung, Permanent-Make-up-Entfernung und vaskuläre Läsionen. Denn nur wer die Behandlung aus eigener Hand kennt, kann sie glaubwürdig lehren. Seit über 20 Jahren steht Artmed für geprüfte, vermessene und persönlich betreute Lasersysteme im Schweizer Markt."
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